Neuhaus-Schierschnitz
Sagen vom Heimatort

1. Vom Kirchenbau in Neuhaus

Der Ritter Hans Friedrich von Gottsmann auf Schloss Neuhaus war einst längere Zeit abwesend. Seine Gemahlin Magdalene wollte nun in dieser Zeit aus dem Ertrag ihrer Güter eine neue Kirche erbauen lassen und wählte zum Bauplatz den Abhang des Straußberges, gegenüber dem Schlossberg. Die Kirche wäre für diesen Berg ein stolzer Schmuck geworden und die Schlossherrin hätte ihn von ihrer hohen Wohnung aus immer vor Augen gehabt.

Schon war ein großer Teil der Bausteine auf der geplanten Baustelle angefahren, da kamen einige der Bauern und Bürger aufs Schloss und baten im Namen der ihrigen, man möge doch die neue Kirche an den südlichen Hang des Schlossberges und somit in den Schutz der Burg stellen.

Dieser Wunsch kam der Schlossherrin recht ungelegen. Sollte sie ihn erfüllen und ihren eigenen Lieblingsplan aufgeben? Oder sollte sie ihren eigenen Leuten wehe tun und die wohlbegründete Bitte abschlagen?


Da verfiel sie auf einen Ausweg. Sie versprach nachzugeben, wenn man eine Bedingung erfülle:
Sämtliche Bausteine, die am Straußberg lagerten, müssten in einer einzigen Nacht herüber an den Schlossberg gebracht werden. Die Bittenden zogen hierauf befriedigt heim, glaubten sie doch, diese Arbeit zu bezwingen. Die Schlossherrin aber war ebenfalls mit sich zufrieden, hegte sie doch im Stillen die Hoffnung, dass den Bauern ihr Vorhaben nicht gelingen werde.

In einer sternenklaren Nacht des nächsten Tages begann nun zwischen den Bergen ein emsiges Treiben. Peitschen knallten, Wagen knarrten und das Hüh und Hott der Fahrenden klang laut durch die Stille der Nacht. Fuhre um Fuhre wurde am Schlossberg abgeladen, und als der Morgen kam, war das schwere Werk vollendet.

Wohl hatte es manches Opfer gekostet - viele Zugtiere waren zugrunde gerichtet - aber das Ziel war erreicht. Verwundert schaute die Schlossherrin bei ihrem Morgengang auf die gelungene Tat.


Nun blieb ihr nichts übrig, als ihr gegebenes Versprechen einzulösen.

So kam die Kirche zu ihrem heutigen Platz.

Eine andere Sage erzählt:
Magdalene von Gottsmann wollte die Kirche am Nordabhang des Schlossberges erbauen lassen. Die dort angefahrenen Steine seien aber stets von unsichtbaren Händen an den Südabhang des Berges geschafft worden. Deshalb habe man schließlich diesen Platz zum Baugrund gewählt.

Weiter erzählt man sich:
Nach langer Abwesenheit, in der am Schloss und im Dorf mehrere bauliche Veränderungen vorgenommen waren, kehrte der Burgherr endlich wieder heim. Als er aber mit seinen Reisigen aus dem Bienenwald herausritt, stutzte er. War das da vor ihm seine Heimat? Oder hatte er sich verirrt? Da er im Zweifel blieb, schickte er Boten ins Dorf, um zu erforschen, ob er auch sein Neuhaus vor sich habe.


2. Die verschwundene Glocke

Im Dreißigjährigen Krieg, während der schweren Jahre 1632 – 1634, wurden bei der Plünderung des Ortes Neuhaus durch die kaiserlichen Truppen auch die Glocken der Kirche geraubt. Man erzählte sich, dass die Kirchenräuber die erste abgenommene Glocke bis hinaus auf die Poppenleite schafften, wo man sie stehen ließ, um eine zweite zu holen.Als man aber mit der zweiten gestohlenen Glocke zurückkam, war die erste auf unerklärliche Weise verschwunden, gerade als wäre sie plötzlich in den Erdboden versunken. Doch sagt man auch wieder, dass die Glocke einer benachbarten katholischen Kirchgemeinde folgende Strophen sänge:
"Ich bin van Neuhaus, Neukenröther hamm mich gemaust."

nach K. Steiner